AnGedacht

Ich schaue nicht mehr so viel in den Spiegel;
denn die Augen, mit denen man sich selbst anschaut,
sind nicht die Augen, in denen man am besten aufgehoben ist.

Hanna Schygulla

 

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Website!

Kennen Sie die "Gute-Freundin-Brille"? Man könnte sie natürlich auch die "Bester-Freund-Brille" nennen. In einer Zeitschrift bin ich über die Überschrift gestolpert: Falls gar nichts mehr hilft, dann versuchen sie es doch mal mit der Guten-Freundin-Brille. In dem dazugehörigen Artikel ging es um Lebenssituationen, in denen es uns schwer fällt, uns einen positiven, guten oder gnädigen Blick auf uns selbst und unser Leben zu bewahren. Manchmal können zu viel Stress und Arbeit uns den Blick auf uns selbst verstellen. Wir verlieren aus den Augen, dass wir trotz aller Arbeit Pausen und freie Zeit brauchen.

Was würde ein guter Freund sagen? Zum Beispiel: Lass uns mal wieder zusammen Rad fahren. ODER: Mach doch einen Mittagsschlaf. ODER: Sollen wir zusammen Kaffeepause machen?

In der Schule ist mir die Rede von der Guten-Freundin-Brille schon einmal begegnet. Die Schülerinnen und Schüler, die kurz vor dem Schulabschluss standen, sollten an einem Projekt zum Thema "So bewerbe ich mich richtig" teilnehmen. Als Einstiegsaufgabe sollten alle auf einen Zettel schreiben, was sie wirklich sehr gut können. Die wenigsten haben sofort losgeschrieben. Bei manchen blieben die Zettel lange leer.

Daraufhin sollten alle die Gute-Freundin-Brille aufsetzen. Jeder sollte aufschreiben, was gute Freunde an ihm besonders schätzen. Nun fiel allen etwas ein - die Blätter füllten sich mit besonderen Begabungen, Talenten und wertvollen Charaktereigenschaften: Auf dich kann ich mich verlassen, mit dir kann man so gut lachen, zum Glück saß ich in Mathe immer neben dir ...

Die Gute-Freundin- oder Bester-Freund-Brille steht für den liebevollen, wertschätzenden Blick eines anderen Menschen, der es gut mit mir meint. Wir Menschen sind auf diesen Blick angewiesen, um leben zu können. Wir brauchen es wie die Luft zum Atmen, dass uns ein Gegenüber wahrnimmt und liebevoll anschaut. Wir sind nicht immer in unseren "eigenen Augen am besten aufgehoben." Manchmal ist unsere Selbstwahrnehmung oder Selbstbeurteilung gnadenlos.

 

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zur Ehre Gottes.
Römer 15, Vers 7

  

Im Römerbrief entfaltet Paulus die Theologie vom liebevollen, barmherzigen Blick Gottes. Dieser Blick Gottes auf einen jeden Menschen ist nicht ein Blick durch die rosarote Brille. Es ist kein Blick, der unsere Fehler, Schwächen und manchmal auch unser Versagen ausklammert. Es ist ein Blick durch Christus. Durch Christus sieht Gott einen jeden von uns mit liebevollen, barmherzigen Augen an. In diesen Augen sind wir sehr gut aufgehoben, angenommen so wie wir sind. Christus ist Gottes Gute-Freundin- oder Bester-Freund-Brille. Die große Chance, manchmal aber auch die große Herausforderung ist es, dass wir uns diesen Blick Gottes zu eigen machen. Dass wir uns und unseren Nächsten so annehmen, wie Christus uns angenommen hat.

Unsere Kirchengemeinde wurde in der ersten Juliwoche visitiert. Wir bekamen von einer Kommission, bestehend aus Mitgliedern des Bezirkskirchenrates und des Dekanates, Besuch. Die Kommission hat sich unsere Kirchengemeinde angeschaut und uns daran erinnert, dass auch Kirchengemeinden auf den Blick Außenstehender angewiesen sind. Sie haben wahrgenommen, wertgeschätzt und mit uns Ziele und Visionen für die nächsten Jahre entworfen. Mehr darüber können Sie auf den nächsten Seiten nachlesen.

Anlässlich der Visitation hat der Kirchengemeinderat ein Leitbild für unsere Gemeinde entworfen, in dem es um diesen liebevollen Blick Gottes geht. An ihn zu erinnern, ihn zu leben und unser Leitbild mit Leben zu füllen, ist eines unserer Ziele für die kommenden Jahre.

In unserem Uhland-Kindergarten haben wir damit schon angefangen im Rahmen einer Projektwoche unter dem Motto: Hat Gott eine Brille? Jedes Kind hat eine Jesusbrille bekommen und gemeinsam haben wir ihn geübt: Den liebevollen Jesusblick auf uns und auf andere.

Ihnen allen wünsche ich eine segensreiche Sommerszeit, in der Sie der heilsame Blick Gottes immer wieder berühren möge.  

Ihr Pfarrerin

Martina Lieb

  

 

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekiel 36, Vers 26