AnGedacht

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh;
"Er kam, er kam ja immer noch",
 die Bäume nicken sich's zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuß auf Schuß;
im Garten der alte Apfelbaum,
er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei;
es bangt und sorgt: "Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai."

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh:
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du.

Theodor Fontane (1819-1898)

 

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Website!

Aus dem kalten Boden wächst das Grün. Es kommt unaufhaltsam und streckt sich der Sonne entgegen. Die scheint von Tag zu Tag länger. An den Zweigen knospt es überall. Und es entfalten sich die ersten Blüten. Mehr und mehr Vögel zwitschern schon frühmorgens. Im Wald erwacht das Leben aus dem Winterschlaf.

Auf diese Weise zeichnet uns die Natur ein Bild der Hoffnung und des Lebens ins Herz. Wir können hören, sehen, fühlen, riechen: Es wird Frühling. Trotz des langen Winters. Die größer werdende Kraft der Sonne sorgt bei vielen für eine bessere Stimmung. Ganz beschwingt sind viele von uns, wo sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen.

Den Beginn des Frühlings kann man auf verschiedene Arten bestimmen: Astronomisch nach der Lage der Erde zur Sonne, phänomenologisch nach der Entwicklung der Pflanzen oder meteorologisch gemäß dem Wetter.

Meteorologisch beginnt der Frühling am 1. März. Aus astronomischer Sicht beginnt der Frühling bei uns am 20. März. Und schaut man sich die Pflanzenwelt an, dann kann man den Start in den Frühling den ganzen März über bestaunen.

Wie auch immer wir den Beginn des Frühlings festlegen: Er kommt. Jedes Jahr aufs Neue. Egal wie kalt, hart, eisig und dunkel der vergangene Winter gewesen sein mag, der Frühling kommt. Unbezwingbar, immer wieder. Das ist ein Naturgesetz. Das Licht oder die Sonne setzt sich durch.

Und wir Menschen sind eingeladen, es der Natur gleich zu tun. Wie der alte Apfelbaum nach langem Winter wieder zu knospen beginnt, so sollen auch wir der Hoffnung des Lebens vertrauen. Das, was in uns abgestorben, verloren gegangen oder erfroren ist, von der Sonne bescheinen lassen und darauf vertrauen, dass sich auch hier wieder Blütenknospen zeigen und ganz still und leise mitten in uns ein neuer Frühling beginnt.

Im Kirchenjahr fällt der Beginn des Frühlings mit der Passionszeit zusammen. Christinnen und Christen gedenken des Leidens und Sterbens Jesu. Sie tun das nicht, um sich die wunderbaren Frühlingsgefühle zu verderben. Im Gegenteil: Sie besinnen sich in diesen Tagen weltweit auf den anderen, schmerzhaften, unbezwingbar wahren Frühling. Den Frühling, der uns die Liebe Gottes ins Herz zeichnet, die sich zeigt in Jesus Christus, der ertrug, erlitt, starb und wider alle Vernunft am Ende neu zu leben begann, um den Winter in unseren Herzen ein für allemal zu vertreiben. Die Passions- und Ostergeschichte erzählt, wie sich Christus, das Licht der Welt, die Sonne der Gerechtigkeit durchsetzt gegen die Mächte der Finsternis und des Todes. Unaufhörlich spricht Gott uns durch ihn zu: "Herze, wag es auch du. Gib dem wahren Frühling, dem neuen Leben in Dir ein Chance."

In diesem Sinne Ihnen allen einen segensreichen Frühling, 

Ihr Pfarrerin

Martina Lieb

  

 

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekiel 36, Vers 26